Schule 5.0: Die Zukunft von Schule erfinden

Prof. Dr. Isabell M. Welpe
(
Lehrstuhl “Strategie und Organisation” der TUM, wissenschaftliche Leiterin des Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung)
& Esther Ostmeier (M.Sc.)
(
wissenschaftliche Referentin am Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung, Doktorandin am Lehrstuhl “Strategie und Organisation” der TUM)

Die fortschreitende Digitalisierung verändert Schulen und Bildung weltweit grundlegend. Wir stellen sechs Thesen vor, wie sich Schule und Bildung verändern müssen, um zukünftig ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden.

Im Kontext der Digitalisierung treten neue Akteure, vor allem Start-up-Unternehmen und Technologiefirmen, auf den Bildungsmarkt, die Schulen und traditionellen Unterrichtsformen und Bildungsangeboten zunehmend Konkurrenz machen[i], indem sie individuell zugeschnittene, unterhaltsame (digitale) Lernangebote machen. Digitale Bildungsinnovationen wie Learning Analytics, Virtual Reality und Open Source Lehrmaterialien haben das Potenzial, Schule und Bildung grundlegend zu verändern. Schule 5.0 muss diese Entwicklungen mit ihren neuen Möglichkeiten für sich nutzen. In der aktuellen COVID-19-Pandemie wird deutlich, wie weit das deutsche Schulsystem noch davon entfernt ist, innovative Schulkonzepte und digitale Bildungstechnologien flächendeckend effektiv zu nutzen. Dabei werden diese nicht nur zum Infektionsschutz dringend benötigt, sondern auch zur Lösung schon länger bestehender Herausforderungen für Bildung und Schulen.

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Lehr-Lern-Arrangements, die sich vor über 100 Jahren im Zuge der Industrialisierung etabliert haben, haben bisher eher Anpassungen als grundsätzliche Innovationen, die Lernen effizienter machen, erfahren. Nach wie vor unterrichtet normalerweise eine Lehrkraft eine relativ große Lerngruppe im Klassenverband, der Unterricht findet in Klassenzimmern oder Fachräumen statt, relativ umfangreiche Curricula und Stundenpläne mit fest gelegten Pausenzeiten strukturieren den Schulalltag aller Schüler/-innen und Lehrer/-innen. Infolge lernen wir in der gleichen Zeit und mit dem Einsatz gleicher Ressourcen nicht besser oder schneller als vor 100 Jahren.

Im Gegenteil gibt es anekdotische Hinweise darauf, dass Schule sogar ineffizienter geworden ist (insgesamt mehr zeitliche und “menschliche” Ressourcen braucht), als sie es vor Jahrzehnten noch war. Denn teilweise investieren Eltern heute mehr Zeit und Geld in die Schul- und Lernaktivitäten ihrer Kinder, zum Beispiel indem sie Nachhilfeunterricht, zusätzliche Lernmittel und Privatschulen finanzieren oder ihren Kindern selbst mehrere Stunden pro Woche bei ihren Schulaufgaben und Prüfungsvorbereitungen helfen[ii], wie es von manchen Schulen erwartet wird. Zudem gab es (zumindest vor der COVID-19-bedingten Ausnahmesituation) Schulen, die sogar Eltern Fremdsprachenunterricht anboten, damit diese ihren Kindern besser beim Vokabellernen helfen konnten (so z.B. ein Gymnasium in München). Auch dass der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolgen eher stabil als rückläufig ist[iii] und es wieder mehr jüngere Menschen ohne allgemeinbildenden oder beruflichen Schulabschluss gibt[iv], ist für uns Grund zu der Aussage, dass Bildung und Schule in Deutschland dringend substanzielle Innovationen und Erneuerung braucht.

Hinzu kommt, dass das bestehende Schulsystem keine Lösungen für mehrere fortwährende oder zyklisch wiederkehrende Probleme an Schulen anbietet, zum Beispiel eine unzureichende Ausbildung von zentralen Kompetenzen im internationalen Vergleich[v], Unterrichtsausfall aufgrund fehlender Lehrkräfte, eine hohe Arbeitsbelastung unter Lehrkräften und geringe Möglichkeiten für Lehrkräfte, der Heterogenität ihrer Schüler/-innen zu begegnen[vi].

Digitale und innovative Ansätze halten mit Bildungstechnologien Lösungen für die genannten Herausforderungen bereit, zum Beispiel die Möglichkeiten individueller Lerntempi, -orte und -zeiten und die Ausbildung relativ neuer zukunftsrelevanter Kompetenzen. Sie versprechen ebenso eine Erhöhung von Lerntempo und Lernerfolg. Ohne grundlegende Erneuerung von Schule in Deutschland steht zu befürchten, dass es zukünftig auch zu einer Schwächung der gesellschaftliche Akzeptanz öffentlich finanzierter Schulen kommt und deren Legitimität im direkten Vergleich mit innovativen Konzepten leidet. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle Stakeholder von Schulen jetzt Gedanken um grundlegend neue Inhalte und Formen der Schule 5.0 machen und darum, wie ein Wandel erreicht werden kann. Mit den folgenden sechs Thesen möchten wir dieser Debatte Anregungen geben.

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Adaptive Lerntechnologien ermöglichen es, Lerninhalte, -formen und -tempi individuell an Schüler/-innen anzupassen. Dadurch können individuelle Lernerfolge maßgeblich gesteigert und nachhaltig Freude am Lernen geweckt werden. Der Futurist Thomas Frey prognostiziert, dass personalisiertes Lernen mit Hilfe von künstlichen Intelligenzen und Bots die Lerngeschwindigkeit von Schüler/-innen um den Faktor 4 bis 10 erhöhen wird[vii] und erste empirische Untersuchungen bestätigen diese Tendenz. Das Sammeln von Datenpunkten in Verbindung mit künstlicher Intelligenz (KI) ist ein Schlüssel zu Lernangeboten, die nicht nur Lernerfolge erhöhen, sondern auch Lehrkräfte entlasten und ergänzen können. Algorithmen (z.B. Learning Analytics) können auf Basis des aktuellen Kenntnisstands eines/-r Lernenden individuell passende Übungsaufgaben vorschlagen. Apps mit Sprach- und Gesichtserkennungssoftware können das Erlernen von Sprachen unterstützen, indem sie Gespräche anregen, Aussprache korrigieren und je nach individuellem Können die nächsten Aufgaben auswählen. Aktuelle Lernstände stellen solche Apps in übersichtlichen Dashboards dar. Beispiele dafür, wie dies funktionieren kann, sind die Leselernsoftware RocketLit und der Spielzeugroboter ROYBI[viii].

Bildungstechnologien, wie Learning Analytics, die Schüler/-innen individuell zum Lernen motivieren und sich an individuelle Leistungsstände anpassen, können maßgeblich zur Lösung einiger Herausforderungen von Schulen (z.B. heterogene Lernstände, Schulabbrüche, Unterrichtsausfall aufgrund fehlender Lehrkräfte) beitragen. Schule 5.0 sollte mit Hilfe von Bildungstechnologien individualisierte Lernangebote schaffen, damit Schüler/-innen in Schule 5.0 genauso erfolgreich lernen können, wie in KI-gestützten Kursen privater (kommerzieller) Anbieter.

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Im Zuge technologischer, politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen verändern sich berufliche und gesellschaftliche Kompetenzanforderungen stark[ix]. Demgegenüber haben sich Lehrpläne in den letzten Jahrzehnten recht wenig verändert[x]. Kinder und Jugendliche in Deutschland haben viele verpflichtende Schulstunden und Schulen können bisher die Anzahl an Unterrichtsstunden pro Pflichtfach kaum flexibel handhaben[xi]. Daher ist eine zeitnahe Anpassung von Lehrplänen und Schulcurricula an aktuelle und künftige Kompetenzbedarfe dringend notwendig. Beispielsweise muss Schule 5.0 umfassender und durchgehender als bisher digitale Kompetenzen wie Programmieren und Technologiedesign sowie zukunftsrelevante Fähigkeiten wie komplexes Problemlösen, innovatives Denken, Kreativität und Originalität, eigeninitiatives und eigenverantwortliches Handeln, aktives Lernen, unternehmerisches Denken, Quellenkritik, Empathie und Kollaboration[xii] ausbilden. Natürlich können Schulcurricula nicht nur mit neuen Inhalten gefüllt werden — die Auswahl verpflichtender Unterrichtsfächer ist zugunsten solcher zukunftsorientierter Lerninhalte regelmäßig zu prüfen und anzupassen.

Vor dem Hintergrund, dass es für Schüler/-innen im 21. Jahrhundert wichtig ist, Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration (die so genannten 4K-Skills) auszubilden, wird der von Professorin Sliwka initiierte „Deeper Learning“-Ansatz mit drei Lernphasen als vielversprechend erachtet. In Phase 1 eignen sich Schüler/-innen Fachwissen an, in Phase 2 arbeiten sie kreativ und problemlösend und in Phase 3 erbringen sie eine „authentische Leistung“, beispielsweise eine Präsentation, eine Ausstellung oder eine Aufführung.[xiii]

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Auch persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen von Schüler/-innen (z.B. eine gesunde Ernährung, das eigene Körpergewicht und die Entwicklung einer weltoffen Identität)[xiv] legen nahe, dass Schule 5.0 stärker dafür sorgen sollte, dass reale, lebensnahe Erfahrungen für junge Menschen wichtig sind (z.B. Sport und Teamarbeit in Projekten, die ihren Horizont erweitern). Dafür braucht es mehr Flexibilität und Kreativität in der Unterrichtsgestaltung und den Unterrichtsräumen, wie sie sich Schüler/-innen selbst wünschen[xv].

Ein Beispiel dafür, wie flexibel und kreativ Schulräume und -strukturen sein können, ist die NuVu School[xvi] in Cambridge (Massachusetts, USA). Sie verzichtet ganz auf Klassenräume, Stundenpläne, „Fächer“ und Schulnoten, um problembasiertes Lernen in Projekten als primäre Unterrichtsform umzusetzen. Auch an Schulen in Deutschland finden sich einige kreative, anwendungsorientierte Projekte außerhalb der „typischen“ Schulräume. Beispielsweise gibt es an der Berufsbildenden Schule Einbeck in Niedersachsen eine von Schüler/-innen betriebene Schulimkerei und ein EscapeRoom und am Landschulheim Marquartstein können Schüler/-innen parallel zum Abitur eine Schreinerlehre absolvieren oder sich in der Elektrowerkstatt, der Töpferei oder Gärtnerei betätigen[xvii]. Solche Projekte braucht Schule 5.0 flächendeckend an allen Schulen und für alle Schüler/-innen, um beispielsweise Begeisterung für und Mut zum kreativen Denken stärker zu fördern[xviii]. Zudem braucht Schule 5.0 mehr Flexibilität in der Unterrichtsgestaltung, um deutlich mehr bilingualen Unterricht anzubieten, wie es ihn beispielsweise an der Jan Amos Comenius Grundschule in München, an den St. George’s Schools in Köln, Duisburg-Düsseldorf und München sowie an den United World Colleges (z.B. in Freiburg) gibt[xix]. Dies ist in Hinblick auf die globalisierte Arbeitswelt wichtig und auch, weil das Beherrschen einer Fremdsprache (insbesondere Englisch) sicherlich ein Schlüssel für die Entwicklung einer weltoffenen Identität ist.

Schule 5.0 braucht auch eine stärkere Flexibilität was die „Organisation“ von Schule (vor allem Orte und Zeiten von Unterricht und Schule) angeht, zum einen, weil Schüler/-innen individuell zu unterschiedlichen Zeiten lern- und aufnahmefähig sind. Zum anderen haben Erwerbs- und Familienleben in puncto örtlicher und zeitlicher Flexibilität in den letzten 15 Jahren teilweise drastische Veränderungen (“work anytime, anyplace”) erfahren. Eltern sind heute häufiger als früher beide berufstätig und arbeiten flexibel zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten. Deshalb sollten die Unterrichts-, Schul- und Betreuungsangebote („Öffnungszeiten“) von Schule 5.0 örtlich und zeitlich deutlich flexibler sein. Eine flächendeckende Adaption des in Großbritannien etablierten Konzepts flexible boarding könnte somit hochrelevant für Schulen in Deutschland sein. In flexible boarding schools können Eltern und Schüler/-innen kurzfristig und flexibel entscheiden, ob Schüler/-innen in der Schule übernachten oder nicht. Diese Schulen organisieren auch viele Freizeitaktivitäten (z.B. Sport, Musik oder Theater) vor Ort; dadurch entfallen Fahrdienste der Eltern und es entstehen neue Möglichkeiten der Integration und zum Ausgleich sozio-ökonomischer Hintergründe.

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Eine solche Flexibilisierung würde es auch ermöglichen, dass Schulwechsel an andere Orte und in andere Bundesländer unabhängig von Noten in Pflichtfächern und begonnenem Fremdsprachenunterricht problemlos möglich werden. Schließlich lassen technologische, politische und wirtschaftliche Entwicklungen davon ausgehen, dass Erwerbstätige künftig tendenziell häufiger ihre Arbeitgeber, -orte und (Bundes-)Länder wechseln. Mit mehr Flexibilität sollte es möglich werden, Lernleistungen von verschiedenen Bildungseinrichtungen unkompliziert und fälschungssicher zu speichern und anzuerkennen und so in einem Abschlusszertifikat zu kombinieren. Dabei könnten digitale Zertifikate und Zeugnisse, die in Blockchain-Datenbanken gespeichert werden, unterstützen[xx].

Insgesamt braucht Schule 5.0 modularisierte Angebote mit starker inhaltlicher Flexibilität, mehr projektbasiertes Lernen und die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig Schulunterricht anzubieten und wahrzunehmen.

In Schule 5.0 haben Lehrer/-innen andere und neue Aufgaben, weil Lernsoftware und Bildungstechnologien die Aufgaben reiner Wissensvermittlung, das Einüben und die Dokumentation von Lernfortschritten (mit) übernehmen (Phase 1 des „Deeper Learning“ Ansatzes entsprechend) und Organisationsprozesse unterstützen. Dies ist wichtig, damit Lehrkräfte mehr Zeit haben, individuell auf Schüler/-innen einzugehen. Schließlich zeigt uns die COVID-19 Pandemie, dass Schulen wichtige soziale Räume sind. Lehrkräfte sollten Schüler/-innen stärker als Mentor/-innen individuell unterstützen können. Auch sollten Lehrkräfte häufiger themenspezifische „hands-on“ Projektarbeiten entwickeln und organisieren, die soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikation fördern und die Anwendung gelernten Wissens auf reale Herausforderungen ermöglichen (Phase 3 des „Deeper Learning“-Ansatzes entsprechend). Solche Projekte könnten in Kooperation mit Unternehmen, Universitäten, der Stadtbevölkerung und Schulen im Ausland über den Horizont einer Schule hinausgehen.

Wichtig ist auch, dass Lehrer/-innen in Schule 5.0 als Kurator/-innen aus einem Überangebot (digitaler) Lernangebote die didaktisch und inhaltlich hochwertigsten und passendsten auswählen. Auch sollten Lehrer/-innen künftig mehr Zeit haben, die Erkenntnisse der empirischen Bildungsforschung zu erfassen und in den eigenen Unterricht einzubringen, neue Unterrichtsformate und Bildungstechnologien auszuprobieren und sich entsprechende Kompetenzen anzueignen. Folglich müssen das Lehramtsstudium und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen so überarbeitet werden, dass diese nicht nur die Aufgabe der Wissensvermittlung sondern auch die Aufgaben der Weiterbildung anhand aktueller Forschungserkenntnisse, des Mentorings, Kuratierens, Innovierens und Projektmanagements erfüllen können.

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Aktuelle (schulpolitische) Bestrebungen konzentrieren sich stark darauf, Schulen technisch besser auszustatten. Auch wenn technologische Endgeräte eine Rolle in der digitalen Transformation spielen, muss im Zentrum stehen, Bildung und Lernen sowie die Arbeit und Zusammenarbeit in Schulen von Grund auf neu zu denken.

Zentrale neue Grundsätze für den Schule 5.0 sind aus unserer Sicht: (1.) Jede/-r Schüler/-in soll die für sie/ihn zukunftsrelevanten Inhalte und Kompetenzen erfolgreich lernen. Dies impliziert beispielsweise, dass Schüler/-innen mehr Prüfungsversuche haben (im Prinzip so viele wie nötig). (2.) Schule 5.0 hat individualisierte statt pauschale Lehrpläne und -zeiten. (3.) In Schule 5.0 gibt es viel persönliche Wertschätzung und (4.) es wird mit stereotyp-freien Lehrmaterialen gearbeitet, damit alle Schüler/-innen mit einem starken Selbstwertgefühl aus der Schulzeit gehen. (5.) Teamarbeit und Einzelarbeit werden gleichermaßen gefördert. (6.) Eigenständiges Lernen, Denken und Schlussfolgern (weniger Auswendiglernen) wird in Schule 5.0 stark gefördert. (7.) Es gibt mehr anwendungsorientierte Projektarbeit und keine Fächersilos, damit zukunftsrelevante Fähigkeiten wie die 4K-Skills ausgebildet werden können. Schließlich (8.) weckt Schule 5.0 Neugierde, spielerischen Ehrgeiz, eine positive Einstellung zu geistiger und körperlicher Anstrengung und Selbstbewusstsein, damit Schüler/-innen ihre Schule mit der Motivation zu lebenslangem Lernen und einer gesunden Lebensweise verlassen.

Aus unserer Sicht sollte die (politische) Führung von Schulen 5.0 die Expertise aus der empirischen Bildungsforschung, von nationalen und internationalen Schul- und Lernbeispielen sowie von praxisnahen Stakeholdern (z.B. Schulleitungen, Lehrer/-innen, Eltern und Schüler/-innen, schulnahen Stiftungen) regelmäßig erfragen und nutzen, um eine regelmäßige Evaluation[xxi] und Neuausrichtung von Schulcurricula und -organisation an aktuelle und künftige Bedarfe zu verankern.

Zudem sollten Schulpolitik und -verwaltung 5.0 (u.a. rechtlich) Experimentierräume schaffen, die eine kontinuierliche Anpassung von Schulinhalten und Lehrmethoden an sich verändernde Lebens- und Arbeitswelten ermöglichen. Dazu gehören einerseits die Bereitstellung von Datenschutzkonzepten im Sinne des Lernerfolgs von Schüler/-innen sowie andererseits die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, die den Einsatz von Bildungstechnologien erlauben. Andererseits sollten Schulpolitik und -verwaltung 5.0 auch die Ressourcen, die eine Kommunikation von Veränderungen an alle Stakeholder (in der Breite) befähigen, zur Verfügung stellen. Außerdem sollten Schulpolitik und -verwaltung 5.0 ausreichend gute Fortbildungen (auch von schulexternen Trainer/-innen) sowie inspirierende Workshops und Dienstreisen für Lehrer/-innen und Schulleiter/-innen anregen und ermöglichen.

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Wir denken, dass innovative Schul- und Lernkonzepte zusammen mit Bildungstechnologien Lösungen für viele langjährige und aktuelle Herausforderungen von Schulen versprechen und Schule 5.0 sie deshalb flächendeckend gezielt einsetzen sollten. Wichtige Grundsätze von Schulunterricht 5.0 sind aus unserer Sicht individuelle, effektive, moderne Lernangebote; auf die Zukunft ausgerichtete, regelmäßig justierte Schulcurricula sowie flexible Lernmöglichkeiten (räumlich und strukturell) und die Verarbeitung von Erkenntnissen aus der Bildungsforschung.
Schulpolitik 5.0 sollte insofern eine führende Rolle bei der Entwicklung der Schule der Zukunft einnehmen, als dass sie als Plattform einen multilateralen Wissensaustausch unterstützt, Experimentierräume und Rechtssicherheit schafft und ausreichend Anreize und finanzielle Mittel zur Zukunftsausrichtung von Schulen stellt.
Von allen an Schule Beteiligten (Schulpolitiker/-innen, Schulleiter/-innen, Lehrer/-innen, Schüler/-innen und ihren Eltern) braucht Schule 5.0 Offenheit für Neues, Veränderungs- und Lernbereitschaft sowie einen guten Multilog untereinander.

Danksagung: Wir bedanken uns bei Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Prenzel (Leiter des Zentrums für LehrerInnenbildung an der Universität Wien) und Frau Dr. Hartwig (Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung) für ihr wertvolles Feedback zu einer früheren Version dieses Artikels.

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Referenzen:
[i] Der Futurist Thomas Frey prognostiziert, dass das größte Unternehmen im Jahr 2030 ein Bildungstechnologieunternehmen ist, das wir jetzt noch nicht kennen. (Weller, C., 2017, A top futurist predicts the largest internet company of 2030 will be an online school. Business Insider. www.businessinsider.com)
[ii] Birkelbach, K., Dobischat, R., & Dobischat, B. (2017). Außerschulische Nachhilfe: Ein prosperierender Bildungsmarkt im Spannungsfeld zwischen kommerziellen und öffentlichen Interessen (№348). Study der Hans-Böckler-Stiftung.
[iii] Friedrich-Ebert-Stiftung (21.01.2021). Lehren aus der Pandemie: Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen sichern. Stellungnahme der Expert_innenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung: Berlin.
[iv] Nationaler Bildungsbericht 2020. Wichtige Ergebnisse im Überblick. Übergreifende Trends und Problemlagen. www.bildungsbericht.de
[v] Vgl. Ergebnisse der Studien ICLIS, TIMMS, PISA.
[vi] Vgl. Ergebnisse von Befragungen des Deutschen Schulbarometers 2019 und des Verbandes für Bildung und Erziehung 2020.
[vii] Weller, C., 2017, A top futurist predicts the largest internet company of 2030 will be an online school. Business Insider. www.businessinsider.com
[viii] https://www.rocketlit.com/; https://roybirobot.com/
[ix] Dengler, K., & Matthes, B. (2015). Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland (№11/2015). IAB-Forschungsbericht: Nürnberg.
World Economic Forum 2020. The Future of Jobs Report 2020.
[x] World Economic Forum (23.10.2020): https://twitter.com/wef/status/1319700112453431296?s=20
[xi] European Commission 2018: Recommended Annual Instruction Time in Full-time Compulsory Education in Europe — 2017/18.
[xii] World Economic Forum 2020. The Future of Jobs Report 2020.
[xiii] Diemer, T. (28.08.2020). Kulturelle Bildung. Es ist Zeit für eine neue, kreativere Lernkultur. Das Deutsche Schulportal. www.deutsches-schulportal.de
[xiv] Vgl. Ergebnisse der aktuellen KiGGS-Studie des Robert Koch Instituts und der aktuellen Shell-Jugendstudie
[xv] Robert Bosch Stiftung GmbH 2020: So gelingt gute Schule — Ideen und Impulse von Schülerinnen und Schülern.
[xvi] https://cambridge.nuvustudio.com/
[xvii] https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/deutscher-schulpreis-2020-bbs-einbeck/ ; https://www.lsh-marquartstein.de/de/werkstatten/pilotprojekt-handwerk-am-gymnasium; https://grundschule.comenius-muenchen.de/index.php/schulprofil/paedagogisches-konzept#integration ; weitere innovative Schulprojekte hier: Das Deutsche Schulportal — Konzepte: https://deutsches-schulportal.de/konzepte/?ffilter=1&ff_kategorie=60 ; Diemer, T. (28.08.2020). Kulturelle Bildung Es ist Zeit für eine neue, kreativere Lernkultur. Das Deutsche Schulportal. www.deutsches-schulportal.de
Das Deutsche Schulportal — Konzepte: https://deutsches-schulportal.de/konzepte/?ffilter=1&ff_kategorie=60
[xvii] Forschungipfel 2020. Ergebnisse des Forschungsgipfel. Roundtable 2020. https://forschungsgipfel.de/2020/roundtable
[xix] https://grundschule.comenius-muenchen.de/index.php/schulprofil/paedagogisches-konzept#bilingualitaet ; https://www.stgeorgesschool.com/home-german-/st-george-s-school-m-nchen ; https://www.uwcrobertboschcollege.de/ ; ein Überblick über biliguale Kita- und Schulangebote findet sich hier: https://www.fmks.eu/bilinguale-angebote.html
[xx] Rückriemen, J. 2020. Examenszeugnisse: Wie die Blockchain bei der Echtheitsprüfung helfen kann. https://www.juve.de.
[xxi] Prenzel (2018). Bildungsperspektiven für 2040. In Breit, S.; Eder, F.; Krainer, K.; Schreiner, C., & Spiel, C. (2018). Nationaler Bildungsbericht Österreich 2018. Fokussierte Analysen und Zukunftsperspektiven für das Bildungswesen. Leykram: Graz.

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